Horst Veith
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  Presseberichte - Süddeutsche Zeitung - Nr. 83 / 12.04.2005
   
 
Der Milbenschreck vom Tegernsee
   
 
Erfinder Horst Veith hat nun auch ein System zur Matratzen-Reingung entwickelt
   
     Von Christian Sebald.   Rottach-Egern - Eine 33-Meter-Motor-yacht im Mittelmeer, ein Wohnsitz auf Mallorca. Kein Zweifel, Horst Veith ist den schönen Seiten des Lebens zugetan. Doch der 65-jährige Erfinder aus Rottach-Egern hat keine Berührungs-ängste.

Das Objekt seines Forscherdrangs ist 0,1 bis 0,5 Millimeter groß, wiegt 16 Millionstel Gramm, nistet sich vor allem in Matratzen ein und löst bei den meisten unbehagliche Gefühle aus: die Hausstaubmilbe.

"Natürlich wirkt es wie ein Widerspruch, dass ausgerechnet ich ein System erfunden habe, das dem Ungeziefer den Garaus macht", sagt Veith.

"Aber das ist meine Philosophie: Ich beschäftige mich nur mit Sachen, für die es einen Marktlücke gibt. Das tun die wenigsten Erfinder."

Veith muss es wissen, hat er doch seine erste Erfindung gemacht, als er 17 Jahre alt war. Im Laufe der Zeit hat er weit mehr als 100 Patente und Schutzrechte angemeldet:

für Scherengitter, die im Türrahmen aufgespannt werden und Kleinkinder abhalten sollen, aus dem Raum zu krabbeln;

für den knickbaren Trinkhalm;

für selbstverdunkelndes Fensterglas für das Design von Moonboots und eben für "POTEMA".

Unter diesem Markenzeichen vertreibt Veith ein Matratzen-Reinigungssystem und ein Spray gegen Haus-staubmilben. Es ist so erfolgreich, dass er das Sortiment um eine Teppich-Trocken-Reinigung und ein "Reiseset zur Desinfektion" bereichert hat.
Das Spray tötet sogar den gefährlichen   Corona-Virus ab.

"Sie können sich vorstellen, was das ein Erfolg war, als die SARS-Krankheit vor gut zwei Jahren weltweit in den Schlagzeilen war."

Wer jetzt denkt, Veith werkle in einem Labor mit komplizierten Versuchsauf-bauten vor sich hin, täuscht sich aber. Der Erfinder arbeitet in einem kleinen Büro an der Hauptstraße in Rottach-Egern mit einem riesigen Schreibtisch und einer dunklen Regalwand, in der sich Ordner mit "Merkblätter gefährliche Arbeitsstoffe", Nach-schlagewerke und eine vielbändiges Taschenlexikon stapeln. An der Wand gegenüber hängen etliche Wechselrahmen mit Patent-urkunden, darunter steht ein Beistelltisch mit seinen Produkten.

"Wie beim Komponisten"

"Das Erfinden spielt sich ausschließlich in meinem Kopf ab", erklärt Veith dem verwunderten Besucher.

"Das ist wie bei einem Komponisten. Der geht mit seinen Melodien schwanger und irgendwann bringt er sie zu Papier.

" Mit seinen Erfindungen gegen die Hausstaubmilbe war das so:

"Mir war immer klar, dass der Bedarf an Hygiene-artikeln ungeheuer groß ist", sagt Veith. Egal für was, für alles gibt es Spezial-produkte." Nur eben für Matratzen - "ich konnte das erst nicht fassen" -, da fand Veith nichts, und schon hatte er seine Marktlücke entdeckt.

Sein Reinigungssystem ist ein schwerer, gusseisener Apparat, der entfernt an einen Staubsauger erinnert und den Milbenkot in der Matratze "mit hoch-frequenten Schwingungen löst, pulverisiert und ihn mit einem Vakuum entfernt". Anschließend wird die Matratze mit UV-Licht desinfiziert - "alles ohne Chemie". Das Spray, das einen leichten Duft von Zitrusfrüchten verströmt, soll zumindest eine Zeitlang verhindern, dass sich die Milben vermehren, "es ist die Anti-Babypille für die Hausstaubmilbe".

Die Kenntnisse für seine Erfindungen hat sich Veith autodidaktisch angeeignet: "Ich war kein guter Schüler." Auch sein Studium der Wirtschaftswissenschaften hängte er nach 2 Semestern an den Nagel, als er sicher war, "dass meine angebore-nen Fähigkeiten für meinen Lebensweg ausreichen werden".

So gründete er Anfang der sechziger Jahre in Düsseldorf ein Marketing-Büro und widmete sich fortan in erste Linie dem Erfinden.

Das freilich erfordert Disziplin: Veith steht morgens um vier Uhr auf. "Da klingelt noch kein Telefon, da bringe ich zu Papier, was mir abends durch den Kopf gegangen ist, denn mir geht permanent etwas durch den Kopf.

" Untertags kümmern er und seine sechs Mitarbeiter sich um den Vertrieb seiner Produkte.Für das Matratzen-reinigungssystem baut Veith gerade ein flächendeckendes Netz von Dienstleistern auf, die Zielgruppe sind Hotels, Jugendherbergern, Pflege-heime und Kliniken, aber auch Privatleute.

Für sein Spray wirbt er ab und an im Teleshoppingsender HSE24. Abends geht Veith früh zu Bett, "denn ich muss die grauen Zellen fit halten".

Ausnahmen macht Veith nur auf Mallorca, "dort fröne ich dem mediterranen Lebensstil, frühstücke spät und bin dann meist am Strand". Denn eigentlich ist der Erfinder ja den schönen Seiten des Lebens zugetan.
   
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